Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro: Darauf musst du beim Kauf achten!

Wer sich das erste Mal mit der Fotografie als Hobby auseinandersetzt, stößt auf viele neue Begriffe und Technik, die zunächst nicht unbedingt für jedermann verständlich ist. Die unterschiedlichen Preise der einzelnen Kameras sorgen für noch mehr Verwirrung und Fragen; wie zum Beispiel: Gibt es überhaupt eine gute Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro neu zu kaufen? Dieser Artikel soll nun nicht primär bestimmte Kameras bewerben, sondern Grundbegriffe und die wichtigsten baulichen Unterschiede einer Kamera erklären, um nachvollziehen zu können, was welche Kamera eigentlich kann und was am besten zu einem passt.  Wer direkt unsere Kameraempfehlungen für eine Spiegelreflexkamera unter 500 Euro begutachten möchte, der kann bis zum Ende durchscrollen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe „Spiegelreflex-“ und „Systemkamera“ häufig als Synonym verwendet. Und das obwohl die Bedeutung eine völlig andere ist. In diesem Text sprechen wir explizit über Systemkameras und werden nicht auf Kompakt- oder Bridgekameras eingehen. Eine Systemkamera besteht aus mehreren Segmenten: Die beiden wichtigsten Komponenten sind der Body, also das Kameragehäuse und dazu ein Objektiv. Optional gehören dann noch Blitzgeräte und anderes Zubehör zur Systemkamera – anders als bei der Kompaktkamera, bei der alle genannten Komponenten in einem Gehäuse verbaut sind.

Die beliebteste Systemkamera: Spiegelreflexkamera

Wenn ein Laie eine Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro sucht, der weiß vielleicht gar nicht, was dieser Spiegelreflex ist und meint eventuell sogar eigentlich einfach den Begriff Systemkamera. Denn wer von Spiegelreflex spricht, der meint damit eigentlich ein mechanisches Bauteil, das zwischen Objektivlinse und Bildsensor sitzt. Das Licht fällt durch das Objektiv auf einen Spiegel, der das Bild in den Sucher umlenkt und es nicht auf den Bildsensor strahlen lässt. Wird nun ein Foto geschossen, muss dieser Spiegel weichen, damit der Sensor ein Bild ablichten kann.
Beim Klick auf den Auslöser wird es im Sucher für einen kurzen Moment dunkel – der Spiegel klappt hoch und das Licht wird nicht mehr durch den Spiegel in unser Auge umgelenkt, sondern fällt nun geradewegs auf den Sensor, der das Foto aufnimmt. Der namensgebende reflektierende Spiegel muss also wegklappen, damit überhaupt ein Foto geschossen werden kann.

Spiegellose Systemkamera oder Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro?

Foto: Julius Drost @unsplash.com

Spiegelreflexkameras tragen die Abkürzung SLR bzw. DSLR: (digital) single-lens reflex, was ebenso die Bauweise beschreibt wie die Abkürzung DSLM für spiegellose Kamerasysteme, wobei hier der Buchstabe M für mirrorless (zu Deutsch: spiegellos) steht. Die spiegellosen DSLM-Kameras sind kompakter als die Kameras mit verbautem Spiegelreflexsystem. Beide Systeme kommen mit ihren eigenen Vor- und Nachteilen: Eine DSLR hat meist einen optischen Sucher (OVF), während DSLMs einen elektronischen Sucher (EVF) verwenden.

Durch den optischen Sucher einer DSLR-Kamera ist das unverarbeitete Bild zu sehen – ohne den Einfluss von Blende und Belichtungszeit, was gleichzeitig der Nachteil des optischen Suchers ist. Denn das Ergebnis des Ablichtens ist erst nach dem Auslösen sichtbar. Im Gegensatz steht hier der elektronische Sucher von DSLM-Kameras, der es dir ermöglicht schon vor dem Auslösen das Ergebnis auf einem Display zu sehen. Das auf dem Display angezeigte Bild wird in Echtzeit vom Prozessorchip bearbeitet und offenbart letztendlich schon das fertige Foto vor dem Auslösen – inklusive aller Einflüsse von beispielsweise Blende und anderen Voreinstellungen.

Wie wichtig ist eigentlich der Autofokus?

Der Autofokus (AF) einer Kamera ist ein wichtiger Faktor, wenn es um Schnelligkeit geht. Je nach Anwendungsbereich in der Fotografie ist der Autofokus mal mehr oder weniger wichtig. Je schneller eine Kamera das Bild scharfstellen kann, desto besser ist sie beispielsweise für Sportfotografen geeignet. Jeder der Fotos von sich bewegenden Objekten oder Menschen schießen will, braucht einen präzisen und schnell arbeitenden Autofokus. Stillleben, also Landschafts- oder Porträtfotografie benötigen nicht unbedingt einen schnell arbeitenden Fokus. Jetzt gibt es je nach Systemkamera verschiedene AF-Technologien.

Phasendetektions-AF, Kontrast-AF oder Hybrid-AF?

Die DSLR- und DSLM-Kameras nutzen zwei unterschiedliche Autofokustechniken. Während der Autofokus von Spiegelreflexkameras mit einer Phasendetektion arbeitet, nutzen DSLM-Kameras zumeist den so genannten Kontrast-AF. Darüber hinaus gibt es noch einen Hybrid-Autofokus bei hochwertigeren DSLMs, der beide Techniken (Phasendetektion und Kontrast) verwendet.

Besonders bei schlechten Lichtverhältnissen arbeitet der Phasendetektionsautofokus von DSLRs schneller als der Kotrast-AF und eignet sich dementsprechend besser für den Sportfotografen. DSLMs hingegen bieten den Vorteil der Serienbildproduktion: Durch das „Fehlen“ des Spiegels, fällt immer Licht auf den Sensor, wodurch mehr Bilder pro Sekunde aufgenommen werden können, als es mit den meisten DSLRs der Fall ist.

DSLR oder DSLM für die beste Bildqualität?

Die Bildqualität ist tatsächlich gar nicht von der Bauweise der Systemkamera abhängig, sondern lediglich vom verbauten Bildsensor. Eine DSLR und eine DSLM liefern die gleiche Qualität, wenn das gleiche Objektiv genutzt und der gleiche Sensor verbaut wurde. Hier stellt sich dann nur die Frage, welche Art von Bildsensor bevorzugt wird.

Welcher Bildsensor: MFT, APS-C oder Vollformat?

Die verschiedenen Bildsensoren MFT (Micro-Four-Third), APS-C (Advanced Photo System-C) und der Vollformatsensor unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Größe; MFT hat dazu noch ein Format von 4:3 (Four-Third) anstelle der üblichen 3:2. Das Format hat aber natürlich keinen Einfluss auf die Bildqualität als solches. Die Größe des Sensors bestimmt, wieviel Licht verarbeitet wird.
Ein Vollformat-Sensor bekommt mehr Licht als die kleineren APS-C- und MFT-Sensoren. Hier wird also das Rauschen im Bild beeinflusst – je kleiner der Sensor, desto stärker ist das Rauschen in deinem Foto. Das bedeutet gleichzeitig, dass ein höherer ISO-Wert bei einem kleineren Sensor mehr Rauschen verursacht als es bei einem größeren Sensor der Fall wäre. Je schlechter die Lichtverhältnisse sind, desto wichtiger ist es, einen größeren Sensor zu nutzen.

Allerdings ist die Bildqualität nicht nur allein von der Größe des Sensors abhängig, sondern vielmehr vom Verhältnis zwischen Größe und Auflösung; also von der Pixeldichte: Fläche des Sensors geteilt durch die Anzahl der Megapixel. Grundsätzlich gilt, je mehr Megapixel, desto detailreicher wird das Bild. Heute produzierte Kameras werden aber wohl kaum „zu wenig“ Megapixel haben.

Der Cropfaktor von APS-C und MFT

Wer sich für einen anderen Sensor als den Vollformatsensor entscheidet, der muss beachten, dass die kleineren Sensoren APS-C und MFT einen Einfluss auf das Objektiv haben. Normalerweise gilt die angegebene Brennweite eines Objektivs stets für einen Vollformatsensor. Allerdings beeinflusst die kleinere Sensorgröße die Wirkung des Objektivs.

Ein Objektiv mit einer angegebenen Brennweite von 16 – 50 mm auf einem Vollformatsensor wird auf einem APS-C-Sensor zu einem 25,6 – 80 mm Objektiv. Die Brennweite wird bei Kameras von Canon um den Cropfaktor 1,6 verlängert; bei anderen Herstellern ist es der Cropfaktor 1,5. Bei MFT-Sensoren liegt dieser Faktor bei 2. Die Angaben auf einem Objektiv können für MFT also ganz simpel verdoppelt werden. So wird also aus dem 16 – 50 mm Objektiv ein 32 – 100 mm.

Der Verlängerungseffekt des Cropfaktors auf die Brennweite eines Objektivs sorgt dafür, dass die Objektive auch etwas kleiner sein können, als es mit einer Vollformatkamera der Fall wäre. Allerdings wird die Bildqualität gerade bei schlechten Lichtverhältnissen so sehr vom kleineren Sensor beeinflusst, dass ein Vollformatsensor empfohlen wird.

Welches Objektiv brauche ich eigentlich?

Ein ganz wichtiger Aspekt bei MFT-Kameras liegt beim so genannten Mount – also an der Befestigungsweise des Objektivs an der Kamera. Denn MFT ist auch ein Standard für die Objektivanschlüsse, auf den sich Panasonic und Olympus geeinigt haben. Beim Kauf eines MFT-Objektivs herrscht freie Auswahl, egal welcher der beiden Hersteller – die Kompatibilität zwischen Olympus Objektiv und Panasonic Kamera oder umgekehrt ist garantiert. Neben den MFT-Mounts gibt es mehrere unterschiedliche Anschlüsse von verschiedenen Herstellern, um das Objektiv an der Kamera anzubringen. Im Zweifel existieren aber auch zahlreiche Adapterlösungen, um unpassende Anschlüsse für deine Spiegelreflexkamera unter 500 Euro passend zu machen.

Fazit

Je kleiner die Kamera und auch das Equipment, desto praktischer ist es für unterwegs. Wer also nach einer Outdoor-Ausrüstung sucht, der wird mit den kleineren APS-C- oder MFT-Kameras liebäugeln. Wer auf pure Bildqualität setzt, der sucht eine Vollformatkamera, die es leider nur gebraucht für 500 Euro oder weniger zu kaufen gibt. Aber worauf achten denn Profifotografen?

Der Sportfotograf hat mitunter die höchsten Ansprüche an seine Kamera: Ein robustes Gehäuse, ein sehr schneller Autofokus, viele Megapixel und dazu noch eine gute Serienbildproduktion. Der Reportagefotograf braucht dazu noch höhere ISO-Werte, weshalb hier ein Vollformatsensor sehr empfehlenswert ist. Bei Landschafts-, Produkt- oder der Porträtfotografie sind insbesondere hohe Megapixel gefragt und weniger die ISO-Fähigkeiten.

Hier haben wir nun eine Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro herausgesucht und zwei spiegellose Systemkameras, die für den Einstieg genau das Richtige sein könnten.

Drei Kameras für den Anfang

Nikon D3300 – DSLR mit APS-C-Sensor
Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro

Nikon D3300

Die Nikon D3300 ist eine Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro mit 24,2 Megapixeln, die von einem APS-C-Sensor aufgefangen werden. Auf Standardeinstellungen liegt die Serienbildproduktion bei fünf Bildern pro Sekunde. Der Autofokus ist mit AF-S- und AF-I-Objektiven kompatibel, die über ein Nikon-F-Bajonett an der Kamera befestigt werden. Die ISO-Empfindlichkeit reicht sowohl im Foto- als auch im Videomodus bis zu 12.800. Praktisch für Neueinsteiger ist der Guide-Modus mit Schritt-für-Schritt-Anweisungen, die erklären, wie tolle Fotos und Filme aufgenommen werden können. Ein WiFi-Adapter ermöglicht die Übertragung auf ein Smartphone oder einen PC, um die Bilder weiter zu bearbeiten oder hochzuladen.

Canon EOS M50 – DSLM mit APS-C-Sensor
Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro

Canon EOS M50

Die Canon EOS M50 ist zwar keine Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro, dafür aber eine spiegellose Systemkamera (DSLM) mit einem 24,1 Megapixel APS-C Sensor und kommt mit einem elektronischen Sucher mit OLED-Display. Die Serienbildproduktion liefert zehn Bilder pro Sekunde und der Dual Pixel CMOS Autofokus bietet einen schnellen, präzisen One-Shot-AF für den Fotomodus mit präziser Fokusnachführung. Im Videomodus wird der Servo-AF genutzt. Der Dynamic I.S. Bildstabilisator funktioniert mit kompatiblen Objektiven. Hier sind alle EF-M-Objektive verwendbar. Zusätzlich können alle EF- und EF-S-Objektive mittels EF-EOS M Adapter angebracht werden. Die maximale ISO-Empfindlichkeit liegt bei 25.600 und bei 12.800 im Videomodus. Zusätzlich sind Bluetooth- und W-LAN-Funktion für eine kabellose Bildübertragung und Backups implementiert.

Panasonic GX80 – DSLM mit MFT-Sensor und -Mount
Spiegelreflexkamera für unter 500 Euro

Panasonic GX80

Die GX80 von Panasonic ist eine spiegellose MFT-Systemkamera mit 16 Megapixeln und arbeitet mit einem schnellen Kontrast-AF. Die Serienbildgeschwindigkeit liegt bei maximal acht Bildern pro Sekunde bei maximaler Bildqualität. Im 4K-Fotomodus sind bis zu 30 Bilder pro Sekunde möglich – allerdings nur mit acht statt der vollen 16 Megapixel. Mit kompatiblem MFT-Objektiv hat die Kamera auch einen Dual I.S. Bildstabilisator. Im Videomodus bietet die GX80 maximal ISO 6.400; bei Fotos liegt der maximale Wert bei ISO 25.600. Die Post-Focus-Funktion ermöglicht, beliebige Bereiche im Bild zu fokussieren – auch dann, wenn die Aufnahme bereits im Kasten ist. Am Kameragehäuse ist ein klappbares, 7,5 cm großes Display verbaut. Via W-LAN lassen sich die Daten auch unkompliziert auf den Computer transferieren.

Weitere Fragen oder Anregungen? Dann kontaktiere uns doch ganz einfach hier. Wenn du dich dagegen für Bildbearbeitung interessierst, schau doch mal hier vorbei: Test von Luminar 4!

 

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