Drohnenfotografie Ratgeber: Auf zu neuen Höhen!

Drohnenfotografie Ratgeber

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als man Drohnenfotografie mit einer Actionkamera, damals fast immer einer GoPro, realisieren musste? Steuerung ging auf Sicht, Fotos machen nach Gefühl – oder Bilder aus dem Video schneiden. Das ist nur drei Jahre her. In der Zwischenzeit hat sich also vieles getan: Moderne Drohnen fliegt man per Smartphone und der Fotograf sieht auch sofort, was bei der Drohnenfotografie herauskommt. Das ist extrem praktisch, denn so werden Drohnen endlich zu einem alltagstauglichen Begleiter und unterstützen Fotografen bei der Arbeit.

In diesem Text erfahren Sie

  • Warum Drohnen für Fotografen sinnvoll sind
  • Wie Kollegen damit arbeiten
  • Was es für Modelle gibt
  • Wie die Rechtslage ist
  • Welche Verbände es gibt
  • und unseren Sebstversuch: Drohnenfotografie für Anfänger
Eine Drohne von DJI im Flug

Drohnenfotografie ist smart und einfach geworden

Drohnenfotografie: Was kann man damit machen?

Den Anwendungsbereichen der Drohnenfotografie sind dabei keine Grenzen gesetzt, Architektur von oben ist natürlich ein Klassiker, aber auch Fotos von Events oder Industrieanlagen kommen beim Auftraggeber hervorragend an. Weiterer Vorteil: Der Kunde kann direkt mitgestalten und Wünsche äußern. Drohnen lassen sich auch in Gebäuden einsetzen – Messehallen, Fabrikanlagen oder Ballsäle bieten genug Platz dafür. Ebenfalls spannend sind Drohnen für Videografen, sie erzeugen die idealen Schnittbilder zum nachträglichen Sprechertext und werten so Imagefilme deutlich auf. Auch Hochzeitsvideos oder kleine Filmprojekte lassen sich durch Drohnenmaterial ideal aufpeppen.

Das macht Drohnen so vielseitig

Der Clou: Moderne Drohnen sind fast immer mit Gimbals, also Stabilisierungssystemen, ausgestattet und liefern kinoreife Sequenzen direkt aus der Kamera. 4K-Video gehört auch zum Standart-Repertoire. Bei Events kann man mit einigen Drohnen auch Livestreamen, auf Facebook, Youtube oder Twitch, und das nur mit den passenden Apps. Dafür hat sich Drohnenhersteller DJI mit Facebook verbündet und erlaubt Streams bei Facebook direkt über die Hauseigene DJI GO-App. Bieten Sie das Ihren Drohnenfotografie-Kunden ruhig als kleinen Bonus an – kostet nichts, macht aber richtig Eindruck und weckt weiteres Interesse für Ihre Dienstleistungen – grade Industriekunden sind hier eine spannende Zielgruppe.

Drohnenfoto

Auch so beeindruckende Panorama-Bilder lassen sich erstellen

Erfahrung eines Drohnenfotografen

Fotograf Thomas Rosenthal ist seit 2012 auch in der Luft unterwegs und hat sich schon früh die wichtige Domain drohen-fotografie.de gesichert. Kunden wie die Deutsche Bahn oder EXXON beauftragen ihn. Im Gespräch mit mir betont er das Potential der Drohnenfotografie – wenn richtig angewendet: „Ich setze die Technik als Zusatzoption ein und befruchte damit im gegenseitigen Wechsel meine Bodenarbeit“. Wichtig seien dabei insbesondere ein gutes Auge und entsprechende Ideen. Ausschließlich Drohnenfotografie zu betreiben hält er aber für riskant: „Ich kenne viele solcher Kollegen, die sich nach horrenden Investitionen kaum noch am Markt halten können“.

Was braucht man für die Drohnenfotografie?

Was gilt es denn beim Kauf einer Drohne zu beachten? Zunächst sollte man sich über den Einsatzzweck im Klaren sein: Sind Sie viel in der Natur unterwegs und bevorzugen leichtes Gepäck, ist eine faltbare Drohne wie die DJI Mavic oder die GoPro Karma passend. Diese Multikopter sind für kleine Projekte durchaus ausreichend, will man aber bei Großkunden punkten, muss auch eine entsprechende Drohne her – wie etwa eine Yuneec Tornado, die eine umgebaute Panasonic GH4 trägt.

Auch Batterielaufzeit ist ein wichtiges Kriterium, es sollten über 20 Minuten drinnen sein. Details wie eine Gimbal-Stabilisierung sind Pflicht, für Profis sollte auch das Aufzeichnen von RAW-Bildern und CinemaDNG für Videos möglich sein. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Features, die das Leben und Arbeiten mit einer Drohne sehr erleichtern, wie etwa ein Tracking-Mode zum Verfolgen von Objekten oder eine intelligente Rückkehr-Funktion mit Kollisionswarner per Ultraschall. Braucht man zwar eigentlich alles nicht – macht aber mehr Spaß damit.

Drohnenfotografie

Über alle wichtigen Daten gibt das Smartphone Auskunft – inklusive Warnhinweisen zum Wind, Akku oder Flugverbotszonen

Welche Drohne soll ich kaufen?

Als Marktführer im Bereich Kameradrohnen für Profis hat sich DJI etabliert, von der einsteigerfreundlichen Phantom 3 für rund 600 Euro bis hin zur modular aufgebauten Matrice 200, die grade neu angekündigt wurde und vermutlich über 3.500 Euro kosten wird – ohne Kamera – ist für jeden Wunsch ein Modell verfügbar. Konkurrenz bekommt DJI insbesondere von Yuneec, die schon zur Photokina diverse neue Profi- aber auch Einsteigerdrohnen mitbrachten. Für Liebhaber von Zukunftstechnologie bietet der Französische Hersteller Parrot den Quadrokopter Bebop 2 FPV an – FPV für First Person View. Hier erlebt man den Flug mit einer VR-Brille direkt mit und geht hautnah auf Entdeckungstour – klingt nach viel Spaß.

Drohnenfotografie mit der Mavic

Die Mavic: Zusammengefaltet so groß wie ein Milchpaket

Wie ist die Rechtslage?

Anlass zum Feiern ist das neue Drohnengesetz, welches der Bundesrat bereits beschlossen hat, wie Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt: „Erfreulich ist insbesondere die neue generelle Aufstiegsgenehmigung für Drohnen von unter fünf Kilogramm für zertifizierte Flieger.“ Die bislang oftmals überforderte Bürokratie habe hier die gewerbliche Existenz für Drohnenfotografie gefährdet. Unter zwei Kilo Gewicht ist gar kein Kenntnisnachweis erforderlich. Auch wird für gewerbliche Nutzer das aktuell bestehende generelle Betriebsverbot von so genannten Out-of-Sight-Flügen, also von Flügen außerhalb der Sichtweite, aufgehoben.

Künftig ist der Betrieb außerhalb der Sichtweite immerhin erlaubt, aber genehmigungspflichtig. „Damit wird der Betrieb gewerblicher Drohnen deutlich erleichtert und der Weg hin zu neuen Geschäftsmodellen ermöglicht“, so Solmecke. Allerdings wird die neue Verordnung alle zwei Jahre auf dem neuesten Stand überprüft. „Es sollen also noch weitere Anpassungen vorgenommen werden“, prognostiziert der Rechtsanwalt. Insbesondere auf Möglichkeiten zur Lokalisierung und Identifizierung werde der Gesetzgeber einen Blick haben.

Fotografen versammeln sich

Wer rechtlich beraten werden will oder generell Hilfe zum Einstieg in die Drohnenwelt haben möchte kann sich auch an den Bundesverband Copter Piloten e.V. wenden. Dieser bietet auch Möglichkeiten zu Schulungen und Weiterbildungen mit den Systemen und kann den Kenntnisnachweis ausstellen, der für Drohnen ab zwei Kilo anfällt. Bevor es in die Luft geht empfiehlt sich zudem eine entsprechende Versicherung, die übliche Betriebshaftpflicht  deckt Unfälle mit Drohnen in der Regel nicht ab. „Eine Aufstiegsgenehmigung in Verbindung mit einem Befähigungsnachweis wäre sinnvoll, wenn man auch über 100 Metern fliegen möchte – oder über bewohntem Gebiet, ohne jeden Besitzer eines privaten Grundstücks um Erlaubnis fragen zu müssen“, erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes Christoph Bach.

Für Fotografen Thomas Rosenthal ist die neue Verordnung Grund zum entspannen. Bislang hätten sich Kunden immer wieder für illegale – und damit günstigere – Piloten entschieden; Wettbewerbsverzerrung sei da noch ein höflicher Begriff. „Der Entfall der Gebühren steigert die Gewinnspanne beim Kunden und mir, sogar entsprechende Preisnachlässe wären eine Option“.

Selbstversuch: Drohnenfotografie für Dummies

Ein paar Fragen stellen sich aber noch: Wie lebt es sich mit einer Drohne? Wie reagieren Kunden auf das neue Angebot? Um das herauszufinden, habe ich mir von DJI eine Mavic Mini besorgt und damit ein paar kleine Flüge unternommen. Warum die Mavic? Sie ist klein, also ein einfacher Begleiter, sie bietet spannende Eckdaten für einen üblichen Preis (1.100 Euro) und sie hat bereits zahlreichen Online-Testredakteuren den Kopf verdreht. Zu recht? Vermutlich – es fällt jedenfalls schwer, ernsthafte Kritikpunkte zu finden. Fliegen ist ein Kinderspiel und fällt selbst absoluten Neulingen leicht. Schnell entwickelt sich eine richtige Sucht nach neuen Höhen – gebremst vom Akku, der in der Realität rund 20 Minuten hält.

Für Elefanten im Porzellanladen hat die Mavic eine Hinderniserkennung, für Racer einen Sportmodus, dann fliegt die Drohne bis zu 65km/h schnell und erkennt keine Hindernisse mehr – also Vorsicht damit. Auch das DJI ActiveTrack-System wurde verbessert und ist jetzt in der Lage, Objekte wie Fußgänger, Radfahrer, Autos, LKWs, Boote und sogar größere Tiere zu erkennen und diesen auf Knopfdruck automatisch zu folgen. Dabei fliegt sie auf Wunsch auch im Kreis um das Objekt herum. Das klingt alles ganz furchtbar kompliziert, aber wer bei seiner Kamera das Menü versteht, kommt auch im Handumdrehen mit der Mavic klar.

Drohnenfotografie mit der Mavic Air

Bis zu 500 Meter hoch, bis zu sieben Kilometer weit: Die Mavic arbeitet zuverlässig

So geht es in die Luft

Erster Flug, Drohne erstmal ausfalten und Handy in die Fernbedienung, dann kann es losgehen. Ein Stick ist für die Flughöhe zuständig und dreht die Drohne, mit dem anderen kann man in alle Himmelsrichtungen fliegen ohne Höhe oder Winkel zu ändern. Beeindruckende Kamerafahrten werden damit zum Kinderspiel. Zum Fotografieren oder Aufnahme starten gibt es eigene Knöpfe. Die Bilder werden auf Wunsch im DNG-Format abgespeichert und können so noch umfassend bearbeitet werden – auch dank des hohen Dynamikumfangs. Hier bietet sich ein Programm wie Luminar 4 n, dass wir kürzlich getestet haben. Bei der Bearbeitung ist der „Dunst Entfernen“-Regler der beste Freund des Fotografen.

Wie reagieren denn die Kunden? Vorsichtig gesagt – neugierig. Binnen weniger Tage hagelt es aus dem Bekanntenkreis und von Kundenseite Lob und Interesse an Drohnenfotografie. Die Möglichkeit, das eigene Unternehmen von oben betrachten zu können ist offenbar spannend, aber auch Privatpersonen rennen mir – zu gut Deutsch – die Hütte ein. Die Bilder könnten Platz in Flyern, als PC-Hintergrund, auf der Webseite und auf Facebook finden. Wichtig ist für ein solches Ergebnis insbesondere Werbung bei den richtigen Kunden oder auch in Sozialen Netzwerken. Denn zwar nutzen viele Hobbypiloten dieselbe Technik, ein fotografisches Auge oder einen professionellen Auftritt hingegen sucht man dort oft vergebens – von ansprechender Bildbearbeitung reden wir besser nicht. Aus meiner – zugegeben recht kurzen – Erfahrung können Profifotografen hier einiges rausholen.

Unser Fazit zur Drohnenfotografie

Unter 1.000 Euro Netto für völlig neue Perspektiven? Wenn wir ehrlich sind, für ein gutes Objektiv geben wir die Summe mit einem Schulterzucken aus, Kameras aus der Preisklasse kommen den meisten Fotografen nicht ins Haus. Die neue Multikopter-Generation macht Fliegen einfach wie nie zuvor und beeindruckt mit sehr hoher Bildqualität. Sie betreuen also Industriekunden? Sie fotografieren Hochzeiten? Landschaften? Völlig egal – probieren Sie einfach mal eine Drohne aus und entscheiden Sie selbst. Wir sind überzeugt, Drohnen werden schon bald zum Standard gehören. Noch ist der Markt überschaubar, auch entsprechende lokale Domains sind oft noch zu haben. Und die neue Drohnenverordnung macht den Einstieg leicht. Also: Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

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