Sony in der Sport-Praxis: Das Sony 600mm und 400mm im Test

1 Sony 400m 600mm Test Erfahrung

Spiegellose Kameras sind derzeit an allen Fronten auf dem Vormarsch, nur in der Zunft der Sportfotografen schwören viele noch auf die Boliden von Canon und Nikon. Wir wagen den Test des Sony 400mm und 600mm: Ist Sony inzwischen auf Augenhöhe?

Schon 2017 brachte Sony mit der Alpha 9 eine offenkundig für Sportfotografen optimierte Kamera auf den Markt. Sie bot direkt zwanzig Bilder in der Sekunde, 24 Megapixel und fast 700 AF-Punkte. Genützt hat es eher wenig, auf Sportevents liegen bis heute Canon und Nikon deutlich in Front, was zum einen daran liegen dürfte, dass ein Systemwechsel in dieser Klasse sehr teuer ist. Zum anderen gab es zum Start der Alpha 9 noch wenig Glas, ebenso wenig wie einen Profi-Support bei Veranstaltungen.

All das hat sich geändert, der Sony PRO Support wird seinem Namen inzwischen gerecht und spätestens mit dem 600er f/4, das Sony vor einigen Monaten auf den Markt gebracht hat, wird deutlich, wie ernst sie es meinen. Just in Time wurde ja auch die Sony Alpha 9 Mark II vorgestellt. Die Losung ist klar: Nächstes Jahr ist Olympia in der Heimat Tokio – und Sony will nicht nur dabei sein.

Test von Sony 600mm und 400mm an der Alpha 9

Unser Praxistest sollte also folgendermaßen aussehen: Wir nehmen uns eine Alpha 9, das 400er f/2.8 G Master und das 600er f/4 G Master zum Test – eine olympiareife Kombi also – und machen uns auf den Weg zu einem Sportevent. Was einfach klingt, entpuppte sich als ziemliche Herausforderung; auf unsere erste Mail an Sonys Pressestelle folgte erstmal eine ungläubige Nachfrage.

Nach über zwei Wochen, dutzenden Telefonaten und dank dem Engagement von Sony-PR-Fachfrau Julia kamen die beiden Objektive dann gerade rechtzeitig zum Test aber doch noch an. Erster Eindruck? Richtig schwer. Zweiter Eindruck: Eigentlich eher ziemlich leicht, schließlich sind beide Objektive die schlanksten ihrer Gattung und wiegen etwa drei Kilogramm, was gerade in Verbindung mit der Alpha 9 eine rückenfreundliche Kombi ergibt.

Technologie der Superlative: Das Sony 400mm und 600mm im Test

Große Linsen der Preisklasse zehntausend-plus sind traditionell technologie-Vorreiter, und auch die technischen Daten der beiden Sony-Vertreter lesen sich vielversprechend: Das optische Design des Sony 600mm im Test beinhaltet ein großes XA- (extrem asphärisch) und ein ED- (Extra-Low Dispersion) Element, das alle gängigen Aberrationen von Teleobjektiven effektiv unterdrückt, sowie drei Fluorit-Elemente, die dazu beitragen, chromatische Aberrationen zu minimieren und Farbveränderungen zu unterdrücken.

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Dreimal Fluorit hat übrigens auch das 400mm im Test, beide Linsen verfügen zudem über ein Nano AR Coating, um Reflektionen und Geistereffekte auszuschließen. Beide Objektive fokussieren mit zwei XD-Linearmotoren, die die optischen Elemente im Objektiv antreiben. In beiden Fällen sind außerdem elf Blendenlamellen verbaut. Um den rauen Bedingungen bei Sportveranstaltungen oder Tierfotografie standzuhalten, sind die G Master aus einer Magnesiumlegierung gefertigt.

Eindrücke in der Praxis

Theoretisch also eitel Sonnenschein an allen Fronten – wir wollten es aber genauer wissen und haben die beiden Dickschiffe und die Alpha 9 an den Nürburgring geschleppt. Hier stand ein Tourenwagenrennen auf dem Plan, bedeutet viele schnelle Motive, Extrembedingungen für die Maschinen. Beide Objektive verfügen über einen Bildstabilisator, der sichtbar und gut arbeitet. Wir haben ihn angesichts der schnellen Motive beim Praxistest allerdings deaktiviert. Dafür kam ein Manfrotto-Einbeinstativ zum Einsatz. Besonders praktisch: Die Sonys haben auch ein „großes“ 3/8“-Stativgewinde, was für einen deutlich sichereren Halt sorgt.

Den Tag begannen wir schon im Morgengrauen mit dem Sony 400mm auf der Kamera – die Blende war immer ganz offen. Nach den ersten Fotos dann die Begeisterung: Bei zwanzig Bildern in der Sekunde, vierhundert Millimetern und Blende zwokommaacht sitzt die Schärfe bei fast jedem Bild dort, wo sie hingehört. Die Fahrzeuge kommen übrigens mit jenseits der 200 auf uns zu, leichte Kurven und Bodenwellen inklusive. Etwa 10 Prozent Ausschuss kommen in der Praxis vor, auf denen der Fokus bei hundertprozentiger Lightroom-Vorschau nicht ganz sitzt.

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Die restlichen 90 Prozent überzeugen vollkommen. Nach diesem gelungenen Einstand wechselten wir auf das 600er und – wer hätte es vermutet – die beiden Objektive liefern nahezu identisch ab. Scharf, klar, keine Spur von Aberrationen oder sonstigen Schwächen. Dafür selbst bei Gegenlicht und komplexen Situationen scharfe Bilder in rauen Mengen.

Licht und ein bisschen Schatten

Halten wir also fest: Die beiden Linsen sind dem Namen G Master absolut gewachsen und sicher eine perfekte Investition für Profis. Und sie arbeiten mit der Sony Alpha 9 ausgezeichnet zusammen, sind zudem bestens verarbeitet. Doch unsere initiale Frage war, ob Profi-Sportfotografen bei Sony glücklich werden – und da sind wir uns noch nicht ganz so sicher.

Denn auch wenn sich die Alpha 9 schon besser bedient als die anderen Alphas – der Funke springt angesichts der kleinen Tasten und verschachtelten Menüs mit unzähligen Abkürzungen nicht wirklich über. Der freiliegende Sensor und das „feuchtigkeitsabweisende“ Design lassen uns an der echten Wetterfestigkeit der Kamera zweifeln.

 

 

 

Wer Canons 1DX Mark II oder Nikons D5 kennt, der weiß – es sind fotografierende Panzer, die sich auch mit dicken Handschuhen im Wintersport nutzen lassen. Lässt man sie fallen, ist der Schaden am Boden meist größer, als der an der Kamera. Die 9er hat in unserem Test bei guten Bedingungen einen guten Job gemacht. Aber – und das müssen wir schon erwähnen – in Sachen Strapazen war das ein Wellnessurlaub für die Alpha. Klar wurde: Spiegellose Kameras liegen bei den Features heute schon deutlich vorne. Und: Wir kamen mit einem einzigen Akku über den gesamten Tag. Good Job, Sony!

Fazit

Einerseits sind die Ergebnisse brillant, das System zeigt unglaubliches Potenzial. Klassische DLSRs können bei diesem Speed schlicht nicht mithalten. Andererseits fehlt uns mit der Robustheit der Kamera einer der wichtigsten Punkte für den Sport-Alltag. Wer darauf verzichten kann, bekommt bei Sony schon heute ein unschlagbares Paket. Die beiden Objektive, das Sony 400mm und 600mm im Test, sind jedenfalls einsame Spitze.

An dieser Stelle übrigens ein wichtiger Hinweis: Ich gebe auch Foto-Coaching, in denen du Schritt für Schritt von mir auf dem Weg zu deinen Traumbildern begleitet wirst. Wenn du da Lust drauf hast, informier dich doch hier mal über meine Kurse.

Technische Daten:

Sony FE 600 mm F4 GM OSS:
Brennweite: 600mm
Lichtstärke: F4
Linsen/Gruppen: 24/18
Naheinstellgrenze: 4,5m
Filterdurchmesser: 40,5
Größe: 163,6 x 449 mm
Gewicht: 3040g
Anschluss: Sony FE
Preis: 13.999 Euro

Sony FE 400 mm F2,8 GM OSS:
Brennweite: 400mm
Lichtstärke: F2,8
Linsen/Gruppen: 23/17
Naheinstellgrenze: 2,7m
Filterdurchmesser: 40,5
Größe: 158,1 x 359 mm
Gewicht: 2895g
Anschluss: Sony FE
Preis: 11.999 Euro

Sony Alpha 9:
Megapixel: 24,2
ISO: 100-51.200 (50-204.800)
Serienbilder mit AF: 20
Autofokus: 693 Punkte (AF-Phasendetektion)
Akkulaufzeit: 650 Bilder (CIPA)
Video: 4K, 30 B/s
Preis: 3.899 Euro