Im Test: Canon RF 28-70mm f/2L

test canon rf 28-70mm f_2 usm

95mm Filterdurchmesser und fast 1,5 Kilogramm Gewicht – in einem Standardzoom? Die Eckdaten von Canons RF-Kracher machen neugierig. Überzeugt im Test das neue Canon RF 28-70mm f/2L USM?

Mal unter uns: Nach dem Bajonett-Wechsel bei Canon Anfang der 90er Jahre hat sich der Objektiv-Markt doch schnell auf „Standard-Lösungen“ verständigt. Die Folge: Ein 24-70mm f/2.8 hier, ein 35er f/1.4 da –die Zeiten von Legenden wie dem EF 50mm f/1.0L mit Autofokus waren schnell vorbei. Und auch für den RF-Anschluss ist schon ein 24-70mm f/2.8 angekündigt und kommt dieses Jahr. Da stellt sich die Frage: Ist das Canon RF 28-70mm f/2 in diesem Test eine in Serienproduktion gegangene Machbarkeitsstudie, ein Marketinggag für den neuen Anschluss – oder ein neues Level an Flexibilität? Denn Tatsache ist: Mit 28mm, 35mm, 50mm und 70mm ersetzt Canons Schwergewicht theoretisch vier Festbrennweiten und ist daher für Reportage- und Hochzeitsfotografen, aber auch für Fotojournalisten interessant. Und ohne zu viel verraten zu wollen: Diese Zielgruppen können sich freuen.

Der Aufbau beim Test des Canon RF 28-70mm f/2

Unser Praxistest führte uns über einen Monat in den Alltag von Reportagefotografen, von Festen bis Sportevents begleitete uns das 28-70er und mauserte sich schnell zum „Immerdrauf“ auf der EOS R. Denn auch wenn das Gewicht von über zwei Kilogramm – Kamera plus Objektiv – das eine oder andere Mal an Arm oder Gurt zerrte: Diverse Festbrennweiten blieben direkt zu Hause. Dazu überzeugte die gute Balance: An der EOS R ist die Konstruktion nicht besonders kopflastig, sondern liegt angenehm in der Hand.

Test Canon 28-70 1

Bevor wir zur Bildqualität kommen, sprechen wir zunächst über die Eckdaten. Das Canon RF 28-70mm f/2L USM, so der volle Name, ist aus dem Canon-Typischen Kunststoff gefertigt und macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Der Zoomring läuft gleichmäßig satt und kann gesperrt werden, der Fokusring ist leicht zu drehen und der neue Funktionsring, der ganz vorne sitzt, ist frei programmierbar. Sonst bietet das Objektiv nur noch den obligatorischen AF-MF-Schalter, kein Bildstabilisator und auch keine Fokusskala mehr. Canon betont, die Konstruktion sei auf höchstem Niveau gegen Staub, Dreck und Wasser geschützt und verfüge über einen stoßdämpfenden Mechanismus für mehr Robustheit und Langlebigkeit. Von all dem ummantelt verrichten 19 Linsen in 13 Gruppen ihren Dienst, darunter eine UD-Linse, die durch eine 9-Lamellen-Blende (f2.0-f/22) blicken. Angetrieben wird das Paket, wie bei Canons L-Klasse üblich, von einem Ultraschallmotor.

Bildqualität im Test: Canon 28-70mm f/2

Die hohe Qualität setzt in der Bildqualität fort; schon bei Offenblende ist das Objektiv in der Bildmitte bei allen Brennweiten dermaßen scharf, dass bei den 30 Megapixeln der EOS R ein Abblenden kaum mehr nötig erscheint. Spätestens bei Blende vier ist das Optimum erreicht, dann ziehen auch die Ränder nach. Canon steckt in Puncto Schärfe hier sowohl eigene als auch fremde Festbrennweiten in die Tasche. Also eitel Sonnenschein? Nicht ganz: Bei Offenblende bildet sich an harten Kontrastkanten ein leichter Schimmer aus Magenta oder Grün. Diese chromatischen Aberrationen sind aber im Pixelbereich und korrigierbar.

Test Canon 28-70

Ärgerlicher ist das sogenannte Fokus-Breathing; je näher die Fokusebene liegt, desto weniger Brennweite liefert das Canon. 70mm gibt es also nur, wenn das Motiv mehr als 20 Meter entfernt ist. Doch wo wir schon über den Fokus sprechen: Der macht seine Sache sehr gut, reagiert schnell und in Verbindung mit dem neuen Augen-AF Servo auch sehr treffsicher.

Testfazit: Wer braucht das 28-70er f/2?

Die Kombination aus Schärfe, Fokus und f/2-Bokeh adelt das 28-70er zum besten Alltagsobjektiv, das Canon je gebaut hat. Nur eine Frage bleibt: Braucht es wirklich f/2 – oder reicht das kommende 24-70mm f/2.8 für RF auch aus? Wir schätzen, dass zwischen den beiden Objektiven neben einer Blendenstufe, 4mm Brennweite, 30 Prozent Gewichts- und Größenunterschied und einem Bildstabilisator auch etwa 1.000 Euro liegen dürften – zu Ungunsten des Lichtriesen. Und dank diesem Bildstabilisator wird das 24-70er auch die eine Blendenstufe verschmerzen. Also: Wer den Festbrennweiten-Ersatz und Bokehmeister sucht oder bewegte Motive fotografiert, greift jetzt zum 28-70er und bekommt ein Objektiv, über das vermutlich in vielen Jahren noch gesprochen wird. Der Rest übt sich am besten noch ein paar Monate in Geduld.

Technische Daten:

Brennweite: 28-70mm
Lichtstärke: 1:2
Blendenbereich: F2-F22
Anzahl Linsen/Gruppen: 19/13
Naheinstellgrenze: 39cm
Filterdurchmesser: 95mm
Größe: 103,8 x 139,8
Gewicht: 1.430g
Preis: 3.249€

Du willst aus deiner Kamera mehr herausholen? Dann schau mal auf meiner Seite für Fotoworkshops vorbei!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.