Das Canon RF 50mm F1.2L USM im Test

Canon RF 50mm F1.2L Test

Die nächste Generation der Canon-Festbrennweiten steht vor, respektive schon in der Türe und mit dem ersten Wurf, dem Canon RF 50mm F1.2L USM im Test, wollten die Optik-Experten der L-Klasse natürlich direkt ein Zeichen setzen. Denn – so viel Ehrlichkeit gehört dazu – die bisherigen einskommazwo-Modelle aus Japan lieferten zwar ein verträumtes Bokeh, dafür aber keine Höchstwerte in Sachen Schärfe. Bei dem neuen Modell dagegen murmeln die Ingenieure bei Canon hinter vorgehaltener Hand immer wieder den Namen Zeiss; offenbar galt kein geringeres Objektiv als das großartige 55mm Otus als Maßstab.

Was bringt das Canon RF 50mm F1.2L im Test mit

Im Marketing-Jargon klingt das dann so: „Das Canon RF 50mm F1.2L USM in diesem Test bietet eine völlig neue Art der optischen Leistung in der Vollformat-Fotografie. Seine außergewöhnliche Schärfe und Klarheit bringt selbst in den Bildecken deutlich sichtbar mehr Details.“ Tatsache ist: Das 50er RF kommt mit 15 Linsen in neun Gruppen, darunter auch UD und asphärische Linsen. Dazu gesellen sich zehn Blendenlamellen und ein USM-Autofokusmotor. Das Objektiv ist vor Staub und Spritzwasser geschützt und besteht aus Kunststoff, wie von Canon gewohnt. Die Verarbeitung ist tadellos. Wie alle neuen RF-Objektive bringt auch das 50er ein neues Bedienelement mit: Der individuell konfigurierbare Objektivsteuerring bietet den direkten Zugang zu den Kamerafunktionen und ermöglicht so eine schnellere Bedienung. In der Praxis parken die Puristen dort die Blende, Pragmatiker die Belichtungskorrektur. Canon hat auch einen AF-Limiter verbaut.

Canon RF 50mm F1.2L Test

Die Fokusskala auf dem Objektiv ist derweil in Rente geschickt worden, alle Infos können dafür auf dem Display der Kamera abgelesen werden. Ein Raumwunder hat Canon bei all dem aber nicht geschaffen: Das 50er RF wiegt fast ein Kilogramm und ist über zehn Zentimeter lang. An der EOS R ist es aber gut ausbalanciert.

Praxis: Das Canon RF 50mm F1.2L USM im Test

Den Praxisteil dominieren die guten Nachrichten: Canon liefert mit dem RF 50mm F1.2L USM das wohl schärfste Objektiv des gesamten aktuellen Portfolios. Schon bei Offenblende lassen sich feine Haare messerscharf abbilden, es ist dabei fast unerheblich, ob das Motiv in der Mitte oder der Ecke des Bildes platziert wird. Spätestens bei F1.6 ist das Optimum erreicht. Dann bildet die Linse an der EOS R dermaßen scharf ab, dass der eine oder andere versucht sein wird, seinen Retuscheaufwand mit etwas Rauschen wieder zu minimieren – nachschärfen ist definitiv nicht erforderlich. Die harten Kontrastkanten, etwa bei Haaren im Gegenlicht, beschwören aber auch leichte chromatische Aberrationen herauf. Hier hätte Canon mit einer BR-Linse noch mehr herausholen können – wäre dann aber auch preislich auf Zeiss-Niveau gelandet. Optisch sind die beiden Festbrennweiten mindestens auf Augenhöhe. Mehr noch: Das Canon bringt einen Autofokus mit, der seine Sache im Test sehr gut gemacht hat. So schnell und vor allem zuverlässig hat bei Weitem noch kein F1.2-Objektiv fokussiert.

Unser Fazit:

Schärfe pur, schneller AF und gute Verarbeitung – was will man mehr? Vielleicht endlich eine Profi-EOS R-Kamera, um die PS der neuen Objektive auch richtig auf die Straße zu bringen? Und ja, gut 2.500 Euro sind ein Wort für eine Standard-Festbrennweite. Da allerdings für das Zeiss-Standard-Objektiv gleich tausend Euro mehr fällig werden, unterstellen wir dem Canon RF 50mm F1.2L USM im Test ein gutes Preis-Leistungsverhältnis – obwohl es seinerseits die EF-Variante um die gleiche Summe übertrifft. Aber das neue RF 50mm ist eine ganz andere Liga.

Hier könnt ihr euch das Objektiv näher ansehen! Schaut auch mal bei der Hochzeit vorbei, die ich mit dem Canon RF 50mm F1.2L im Test fotografiert habe!

Daten:

KB-Brennweite: 50mm
Lichtstärke: F1.2
Blendenbereich: F1.2-F16
Blendenlamellen: 10
Anzahl Linsen/Gruppen: 15/9
Naheinstellgrenze: 40cm
Filterdurchmesser: 77mm
Größe: 90 x 108 mm
Gewicht: 942g
Preis: 2.499 Euro